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Der Kobold wäscht ab

In der Nähe der Kirche des Dorfes stand vor längerer Zeit ein altes Haus (das von Wullschlägers bewohnt wurde). In diesem Hause sollten die Leute einen Kobold haben. Der sollte ihnen immer abends das Geschirr abwaschen. Ging man zur Abendzeit an dem Hause vorbei, so konnte man auch deutlich hören, wie der Kobold im Hause beim Abwaschen mit den Tellern und Löffeln klapperte. Die Mädchen, die im Hause dienten, erzählten von dem Kobold, dass er sich des Nachts zu ihnen ans Fußende des Bettes legte. Er sei so weich wie ein Muff. Die jungen Burschen des Dorfes glaubten ihnen aber nicht. Einmal schlichen sie sich abends leise ans Küchenfenster und schauten hinein. Da sahen sie wirklich  den Kobold an der Abwaschbank stehen. Er wusch flink alle Teller, Tassen und Schüsseln.

                                                                        E. Rühlmann  - H. Bühnemann

  

Am Weihnachtsabend erhielten die Knechte und Mägde ihren Lohn für die geleistete Arbeit des vergangenen Jahres.

Die Chefin, nicht dumm, kürzte ihren Mägden den Lohn, denn nicht sie, sondern die Kobolde hätten ja das ganze Jahr hindurch abgewaschen.

                                                                        M. Priemer

 

 

Die wilde Jagd

In manchen Dörfern unseres Kreises hat sich noch die Erinnerung an die wilde Jagd, die in mitternächtlicher Stunde durch die Lüfte brauste in der Erzählung der Dorfbewohner erhalten.

So wird aus dem Dorf Frankenfelde berichtet:

„Vor mehr als hundertfünfzig Jahren zog einmal die wilde Jagd übers Dorf. Der Zug ging von Westen zwischen Schröders und Thiemanns hindurch quer über die Dorfstraße zwischen Krügers und Ziehes hindurch nach Osten hin.

In der Luft war ein Sausen und Brausen, ein Bellen und Heulen, ein Johlen und Pfeifen, ein Blasen und Brummen. Aber keiner sah die wilde Jagd, die da in der Mitternacht zwischen 24.00 und 1.00 Uhr dahinbraust.“

Es rächte sich auch, wenn jemand die wilde Jagd verhöhnte oder sich über sie lustig machte.

                                                                        E. Rühlmann  -  H. Bühnemann

 

Der Feuergeist zu Frankenfelde

Vor nunmehr über 100 Jahren ging der Feuergeist in Frankenfelde um. Die Häuser waren aus Lehm und Holz gebaut, die Dächer mit Stroh gedeckt und das reizte ihn sehr.

Meinten es die Menschen nicht gut mit ihm, zürnten oder verhöhnten sie ihn, so blies er sich auf, ward zornig und suchte nach einer Gelegenheit es den Menschlein heimzuzahlen.

Eines Tages kletterte er bei Hagens in die Balken, fraß sich satt und wurde groß und stark. Nun hatte er Kraft sein Zünglein durch das Strohdach zu stoßen. Er war riesengroß und spazierte von einem Dach zum anderen und verschlang alles:

Stall, Scheune, Wohnhaus und Inventar.

Es kamen die Nachbarn und Dorfleute herbei, um ihn mit Wasser zu beschütten, doch er machte sich nichts daraus. Plötzlich sprang die Haustür auf und ein feurig Weib mit rotem Rock rannte die Häuserreihe bis zur Kirche entlang. Der Feuergeist sprang ihr nach, schluckte Gehöft für Gehöft. Vor der Kirche machte das Weib halt, so auch das Feuer. Nun überquerte sie mit flatterndem Rock die Dorfstraße und lief geschwind die Häuserreihe von Ilisch bis zu Ernickes hinunter, der Feuergeist folgte ihr.

Genauso plötzlich wie es kam war das Weib mit rotem Rock verschwunden und der Geist hielt inne.

Oh weh, wüst sah es aus. Doch es half kein Jammern und Klagen. Es wurde wieder aufgebaut und diesmal großzügiger und prächtiger als vorher. Und dem Feuergeist zum Trotz erhielten Häuser, Ställe und Scheunen ein Ziegeldach.

Dies war der große Brand von 1854, der das halbe Dorf vernichtete und den die Überlebenden so schnell nicht vergaßen, denn sie erzählten noch lange ihren Kindern und Kindeskindern davon.

                                                                                   M. Priemer

 

Die Geschichte um „Witten Schlott“  (1883)

100 Jahre ist es nun schon her. Damals kaufte ein wohlhabender ehemaliger kaiserlicher Hofschneider aus Berlin für 34.000 Taler namens Gustav Winter, vom Hüfner Ferdinand Ludwig Schröder den Wald westlich des Dorfes zwischen Frankenfelde und Gottsdorf.

Bald darauf wurde der Wald mit Draht eingezäunt und ein Wildpark angelegt. In diesem Wildpark gab es weiße Hirsche, Rehe, Hasen, eine Fasanerie und Forellenzucht.

Sommers wie Winters wurden nun Jagden abgehalten. Einmal soll sogar ein Steinadler erlegt worden sein.

Auch seltene Bäume wurden angepflanzt. Für die Pflege der Tiere und des Waldes waren ein Förster, der im Waldhaus wohnte, und ein Wildwächter, der im Dorfe wohnte, zuständig.

Auch der Jagdpächter Winter ließ sich ein Haus, geschmückt mit prächtigen Jagdtrophäen, in Frankenfelde an der Chaussee nach Luckenwalde erbauen.

Während er Jagden abhielt, war dort lustig Treiben. Bald reichte ihm dieser Besitz allein nicht mehr aus und er ließ im Park eine Villa, ähnlich wie in Gottsdorf errichten.Im Volksmund erhielt diese bald den Namen „Witten Schlott“, was soviel wie „Weißes Schloss“ bedeutet. Es stand nur wenige Jahre. Dennoch wird manch Spukgeschichte davon erzählt.

Es sollen die Töchter und Schwiegersöhne des Jagdpächters dort ein lustig Leben geführt haben, bis „Witten Schlott“ eines schönen Tages bis auf die Grundmauern nieder brannte.Die Einen sagen es war Brandstiftung der Versicherungssumme wegen. Andere meinen, es ging damals das Gerücht um, es wäre so einiges aus der Villa entwendet worden. Um dies zu vertuschen, habe der Dieb das Feuer selbst gelegt, in einer Nacht in der es stürmte, regnete und gewitterte.Deshalb wird auch von Brand durch Blitzschlag gesprochen.

Es nahm ein traurig Ende mit „Witten Schlott“.

Und seitdem ist es um Mitternacht im Park nicht mehr geheuer. In der Nähe „Witten Schlotts“ spukt es, dass sogar der Jägersmann das Gruseln bekommt und er allen Mut zusammen nehmen muss.

Tatsache bleibt, die Brandursache ist bis heute ungeklärt.Gustav Winter ward seitdem in Frankenfelde nie mehr gesehen.Der Park wurde 1913 parzelliert und an die Büdner verkauft, das Haus des Jagdpächters wurde versteigert. Das Waldhaus kam viele Jahre später durch Erbschaft in den Besitz der Familie Schröder zurück.

An „Witten Schlott“ erinnern heute nur noch einige seltene Bäume.

                                                                                   M. Priemer

Das neue Jagdschloss wurde einst von einem Vierzeiler mit folgendem Wortlaut geziert: 

Die Zeilen standen in der Mitte der Vorderfront über dem großen Fenster.

 

Das ist des Jägers Ehrenschild,

der treu beschützt und hegt sein Wild,

waidmännisch jagt wie`s sich gehört

dem Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

 

 

Überlieferung eines Frankenfelder Verses

(Mundartlich wurde für jedes Gehöft des Dorfes ein Vers gereimt – Verfasser und Entstehungsjahr sind unbekannt)

 Gehöfte und deren Nummern  heute:

Hannemann du Rackermann,

Nr. 31

schlot bei Rinds die Latten an,

Nr. 32

Koks hän immer suret Brot,

Nr. 33

Burschen schloan Deibel dot,             

Nr. 34

Kloars hä´n en wittet Pärd, 

Nr. 35

Peters kicken ingern Städ,  

Nr. 36

Spons hä´n ene witte Schledde,

Nr. 37

fürn Werners Brut um Bedde,

Nr. 38

Treks hä´n en Schepel,

Nr. 39

de olle Kossäte kann nich meeten,

Nr. 40

Schröders hä´n en Klimperdinges,

Nr. 66

Michaels hä´n en kleenet Kind,

Nr. 67

Lehmanns oller Runzel,

Nr. 68

Horts oller Zunzel,

Nr. 71

Bartz olle pinke- panke,

Nr. 72

Elscholz schlachten en paar Dauen,

Nr. 7

Steneckens nähm de Auen,

Nr. 8

Kinds nähm Schnabel,

Nr. 9

olle Schramm is nich von Babel, 

Nr. 10

olle Junkert supt en paar Eire ut,

Nr. 11

Thiemanna oller Hure,

Nr. 12

 jetzt kommt der Neubure,

Nr. 13

lek, lecke mei Morsche,

Nr. 14

olle Jänsicke schitt sich inne Hose,

Nr. 15

der olle Bumnerne rennt mit nen Schepel,

Nr. 16

Herse hingens rut,

 

Thieln woh´n ant Enge,

Nr. 22

Bunten beschieten die Wänge,

Nr. 23

Vietz schlachten en Kalb,

Nr. 24

Schulten nähm et halb,

Nr. 25

Mauersch nähm det Gekröse,

Nr. 26/27

wird olle Borchert beese,

Nr. 28

Schmests nähm det Blut, wird wedder gut.

Nr. 30

trampelt Puhlziehn blinge Gans,

Nr. 73

Krugsziehen schlachten en Stier,

Nr. 74

der olle Krüger gibt en Tünnecken Bier, 

Nr. 75